KUNSTSTOFFINDUSTRIE REAGIERT auf "Plastic Planet"

 

"Die Menge an Kunststoff,

die seit Beginn des Plastikzeitalters produziert wurde,

reicht bereits aus, um den gesamten Erdball

sechs Mal mit Plastiktüten einzupacken."  - Zitat aus "Plastic Planet"


Weltweit werden im Jahr fast 240 Millionen Tonnen Kunststoffe aus rund „nur“ vier Prozent der weltweiten Erdölproduktion hergestellt. „In Europa werden heute etwa 60 Millionen Tonnen Plastik produziert. das sind etwa 25% der globalen Zahlen.“ 

(John Taylor, Präsident von Plastics Europe, Zitat aus „Plastic Planet“)

 

Die Kunststoffindustrie macht 800 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Allein in Europa verdienen mehr als eine Million Menschen ihr tägliches Brot in der Plastikindustrie. Jeder Industriezweig ist heute auf Kunststoff angewiesen. 

(Werner Boote, Zitat aus „Plastic Planet“)

 

 

KUNSTSTOFFINDUSTRIE WÄHREND DER PRODUKTION DES FILMS:

 

KUNSTSTOFFINDUSTRIE WÄHREND DER RECHERCHE- UND DREHARBEITEN

• Kunststoffindustrie benötigt 18 Monate für eine Antwort

Das Team von "Plastic Planet" - unter der Produktionsleitung von Florian Brandt - ersucht Plastics Europe, die Dachorganisation der europäischen Kunststofferzeuger, um ein Interview. Denn Werner Boote möchte mit John Taylor, dem CEO von Borealis und gleichzeitig Präsidenten von Plastics Europe, reden. - Eine Antwort bleibt aus. Keine Benachrichtung über den Erhalt des Schreibens.

Boote dazu: "Zu diesem Zeitpunkt hatte es die Kunststoffindustrie nicht notwendig, Interviews zu geben. JournalistInnen wurden lediglich dann kontaktiert, wenn man die Öffentlichkeit über eine neue Fabrik oder neue Produkte informieren wollte."

Produktionsleiter Brandt: "Nicht einmal der berühmten amerikanischen TV-Sendung `60 minutes´ war es gelungen, die Verantwortlichen vom American Chemistry Council (ACC) für ein Interview zu gewinnen. Die Industrie übte sich in Hinhaltetechnik. Fernsehsender haben eine relativ kurze Produktionszeit. Es ist TV-Journalisten kaum möglich, monatelang oder gar jahrelang auf einen Interviewtermin zu warten, weil die Fernsehbeiträge längst auf Sendung gehen müssen. Bei uns war das anders." (lacht)

Das Plastic Planet Team lässt nicht locker und schickt weitere Interviewanfragen an Plastics Europe. Mails über Mails bleiben unbeantwortet bis es schließlich nach 18 Monaten Produktionsleiter Florian Brandt gelingt, über die Wirtschaftskammer mit Plastics Europe ins Gespräch zu kommen.

Bevor jedoch ein Interviewtermin mit John Taylor vereinbart wird, wird gefragt, ob Werner Boote ein Interview für eine Kunststoff-Sonderbeilage geben möchte. (Plastics Europe schaltete damals in regelmäßigen Abständen in einer österreichischen Tageszeitung eine mehrere Seiten lange Sonderbeilage, in der über die modernsten Errungenschaften der Kunststoffindustrie berichtet wurde.)

Boote sagt zu und trifft den Journalisten dieser bezahlten Sonderbeilage im Wiener Kaffeehaus Sperl. Werner Boote erinnert sich: "Das Interview war großartig! Wir filmten es sogar mit. Ich durfte in Erinnerungen an meinen Großvater schwelgen. Um ein Haar wäre das Interview im Film gelandet!"

Wenige Tage nach diesem Interview erhalten wir die Einladung in den IZD Tower in der Wiener Wagramer Strasse, wo sich das Head Office von Borealis befindet und so kommt es zu den ersten Filmaufnahmen in Wien auf dem Areal der Firma Borealis und dem Interview mit John Taylor. 

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John Taylor, Präsident von Plastics Europe

• Kunststoffindustrie ist nicht erfreut

Während man vor dem Interview das Gefühl haben konnte, die Kunststoffindustrie nehme Werner Boote und das Team von "Plastic Planet" nicht ernst, sieht das nach dem Drehtag gleich ganz anders aus. Wie ein Lauffeuer spricht sich die Botschaft vom "womöglich kunststoffkritischen Film" in der europäischen Kunststoffindustrie herum.

Eines Tages ruft Werner Boote bei einem spanischen Kunststoffverarbeiter an, um für eine Drehgenehmigung anzusuchen. Er stellt sich vor: "Guten Tag, mein Name ist Boote. Ich mache einen Film über Plastik." - Die Dame am anderen Ende der Telefonleitung lässt ihn gar nicht erst ausreden und sagt wie aus der Pistole geschossen: "Plastic Planet? - No comment!" und legt auf.

Das Team von Plastic Planet schreibt 53 große Konzerne an und erhält 52 Absagen. Die Einladung des Herstellers des aufblasbaren Plastikerdballs in China (siehe Film) dürfte ein Flüchtigkeitsfehler der dortigen Verantwortlichen gewesen sein.

Gegen Ende der Dreharbeiten ersucht Werner Boote John Taylor erneut um ein Interview, um 700 wissenschaftliche Studien über die Gefahren von Plastik mit ihm zu besprechen. Weil John Taylor sich keine Zeit dafür nehmen will, besucht Boote ihn am Plastics Europe Messe-Stand bei der großen Kunststoffmesse in Düsseldorf (siehe Film). 

 

• Kunststoffindustrie schickt Lobbyisten

Nach dem Aufeinandertreffen von Werner Boote und John Taylor bei der Kunststoffmesse in Düsseldorf, entscheidet die Kunststofflobbygruppe Plastics Europe, den englischen Lobbyisten Ray Hammond zu Boote zu schicken um über Plastik zu reden. - Auch dieses Gespräch ist im Film zu sehen.

Im Zuge des Interviews erzählt Ray Hammond, dass er von Plastics Europe nicht informiert wurde, dass "Plastic Planet" kein Werbefilm für Kunststoffe sei! 

 

• Kunststofffirmen besitzen Raubkopie

Im Mai 2009 arbeitet Boote noch an der Fertigstellung des Films "Plastic Planet", damit er im September 2009 in den Kinos starten kann. Da erreicht ihn ein Telefonanruf einer Kontaktperson aus der Kunststoffindustrie. Diese erzählt, dass eine DVD von "Plastic Planet" in der Kunststoffindustrie herumgereicht wird. Diese Nachricht ist so unglaublich, dass die Produktionsfirma von Plastic Planet Nachforschungen anstellt. Und tatsächlich: mehrere Personen aus der Kunststoffindustrie aus unterschiedlichen Ländern bestätigen, dass sie bereits eine DVD geschickt bekamen, um sich auf den Filmstart vorzubereiten. 

Alles deutet darauf hin, dass es eine unrechtmäßig erworbene Kopie des Rohschnitts ist, da der Sprechertext von Werner Boote erst im Juni 2009 aufgenommen wird und der Film zum Zeitpunkt natürlich noch nicht als DVD erschienen ist. Aus den Reaktionen einzelner Verantwortlicher von Kunststoffunternehmen über den Film ist erkennbar, dass es sich um eine alte Schnittfassung des Films aus dem Februrar handelt. Also nicht die endgültige von Werner Boote authorisierte Version des Films. - Wie diese Kopie in die Hände der Kunststoffindustrie gelangen konnte, wurde nie aufgeklärt.   

 

• Kunststoffindustrie erwägt Klage gegen Werner Boote

Die Repräsentanten von Plastics Europe, der Dachorganisation der europäischen Kunststofferzeuger, besuchen die Produktionsfirma von Plastic Planet, die Neue Sentimental Film Austria in Wien. Die Lobbyisten teilen dem Produzenten mit, dass sie überlegten, Herrn Boote zu klagen. Sie sehen aber von einer Klage ab, weil wörtlich: "... bei Herrn Boote ist nichts zu holen."

Am Tag vor der Filmpremiere von "Plastic Planet" wird in der Neuen Sentimental Film Austria es eine Krisensitzung abgehalten. Die Produzenten und Werner Boote bereiten sich darauf vor, dass die Kunststofflobby am Tag der Premiere eine Klage (einstweilige Verfügung) gegen den Film einreichen könnte und der Film nicht im Kino starten dürfe.

Alle sind der Meinung, dass eine solche Klage zwar kurzfristigen Schaden anrichten könnte, langfristig gesehen aber ein großartiger PR-Gag wäre und der Werbung für den Film Gutes tun würde. Womöglich dachte sich die Kunststoffindustrie dasselbe. Eine Klage blieb aus und so feierte "Plastic Planet" am 25. September 2009  Weltpremiere im Wiener Gartenbaukino.

 

 

KUNSTSTOFFINDUSTRIE REAGIERT AUF DEN KINOSTART:

• Kunststoffindustrie bereitet sich auf Filmstart vor

PlasticsEurope, die Dachorganisation der europäischen Kunststofferzeuger, bestellte ein Team aus mehreren PR-Experten, das drei Monate lang eine Marketingstrategie entwickelt, wie sich die Plastikindustrie vor und rund um den Kinostart verhalten solle. Es werden Schriften verfasst, welche die europäischen Kunststoffhersteller und -verarbeiter auf den Kinostart von "Plastic Planet" vorbereiten. Hier ein Auszug aus einem Schreiben:

Am 18. September läuft ein "Dokumentarfilm" zu Kunststoffen (vorerst) in den österreichischen Kinos an. "Plastic Planet" ist ein Werk des Wiener Industrie- und Dokumentarfilmers Werner Boote (wir berichteten am 30. August in INFOFAX). Das von PlasticsEurope angekündigte Plastic Planet Informationspaket ist nun in englischer Sprache verfügbar. Bei allgemeinen Anfragen zum Film verweisen Sie bitte an PlasticsEurope Deutschland (Kurt Stepping Tel.: +49 (0)69 / 2556-1305) oder - für Österreich - an PlasticsEurope Austria (Heinz Schratt, Telefon +43 1 513 16 64,  heinz.schratt@plasticseurope.org). Eine deutsche Version wird vorbereitet. Nähere Informationen: kurt.stepping@plasticseurope.org (aus Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt 13/09/2009)

 
 

• Kunststoffindustrie warnt mit 14-seitigem Schreiben  

Die Dachorganisationen der europäischen Kunststofferzeuger Plastics Europe und der europäischen Kunststoffverarbeiter EuPC erarbeitet einen 14-seitigen Mediakit um die Industrie auf den Filmstart vorzubereiten. Kurz vor dem Kinostart von "Plastic Planet" zirkuliert dieses sogenannte "Plastic Planet Information Pack - for internal industry use only" in deutscher und englischer Sprache.
 
 

• Lobbygruppe schnappt sich Internet Domain

Plastics Europe, der Verband der eruopäischen Kunststofferzeuger, kauft im Frühling 2009 die Webdomain www.plasticplanet.at und die Seite www.plasticplanet.de und wartet dort mit einer Gegendarstellung zum Film auf. Darin steht: "Entgegen dem im Film vermittelten Eindruck begrüßt die Kunststoff-Industrie einen konstruktiven Dialog und den offenen Meinungsaustausch." - Auf dieser Seite ist jedoch kein Feedback-Button zu finden, durch den man mit PlasticsEurope in Dialog treten könnte.

Werner Boote und die Produzenten werden von Anwälten und Internetaktivisten beraten, ob sie gerichtlich dagegen vorgehen sollen. Weil der Film "Plastic Planet" im Jänner 2009 auf der Berlinale öffentlich angekündigt wurde, wäre eindeutig: Der Kauf der Domain ist gesetzwidrig.

Produzenten und Regisseur entscheiden sich überraschenderweise dafür, die Kunststoffindustrie nicht auf Herausgabe der Domain zu klagen. Werner Boote meint dazu schmunzelnd: "Wieviele Filme auf der Welt gibt es, bei denen sich eine gesamte Industrie zu Wort meldet!"

Hier der Artikel "Lobbygruppe schnappt sich Plastic Planet Domain" (BASICthinking 28/01/2010)

 

• Filmbewertung soll rückgängig gemacht werden

Die Deutsche Filim- und Medienbewertungsbehörde FBW empfiehlt gute Filme und zeichnet "Plastic Planet" mit der höchsten Bewertung dem "Prädikat besonders wertvoll" aus. Laut der Direktorin der Filmbewertungsbehörde Bettina Buchler tauchen wenige Tage später zwei Herren unangemeldet im Büro auf. die Herren geben sich als Repräsentanten der Kunststoffindustrie aus und fordern sie auf, die positive Bewertung für den Film "Plastic Planet" zu revidieren. Direktorin Bettina Buchler darüber: "So etwas ist mir in meiner gesamten Laufbahn noch nie untergekommen!" - Die Filmbewertungsbehörde lässt sich nicht einschüchtern. "Plastic Planet" trägt auch heute noch stolz die hohe Auszeichnung der FBW

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• Organisationen und Betriebe unter Druck

Viele Unternehmen, Organisationen und Initiativen unterstützen "Plastic Planet" während des fulminanten Kinostarts. Einige davon erzählen, dass sie von der Plastiklobby oder Ministerien unter Druck gesetzt werden. Zum Beispiel erhält eine staatlich subventionierte Organisation - nachdem sie Information über den Kinofilm an ihren Mitglieder sendet - einen Brief mit einer deutlichen Aufforderung im Schlusssatz: "Wenn Sie weiterhin auf das Filmwerk Plastic Planet hinweisen, müssen wir die Finanzierung Ihrer Organisation überdenken." 

Auch Fernsehsender werden von der Kunststofflobby aufgefordert, nicht über "Plastic Planet" zu berichten und Sendungen zum Thema zu unterlassen. Darunter übrigens eine der größten Sendeanstalten Deutschlands und eine der meistgesehenen Talk-Shows des Landes. 

 

• Kunststoffindustrie beruft Sitzung ein

Mittlerweile läuft der Kinofilm "Plastic Planet" sehr erfolgreich in den Kinos. Die von Plastic Planet und Global 2000 veröffentlichten Studien haben zur Folge, dass sämtliche BPA-hältigen Babyflaschen und Babysauger aus den Supermärkten verbannt werden. Das mediale Interesse hat eine öffentliche Entrüstung über diesen Skandal zur Folge. Bei einem nichtöffentlichen Treffen der österreichischen Kunststoffunternehmen in St. Pölten stimmen 134 Firmen darüber ab, ob fortan öffentlich gegen den Film vorgegangen werden soll. Aber nur acht Unternehmen sprechen sich gegen die "Kopf in den Sand"-Politik aus.    

Das Branchenmagazin "CHEMIEREPORT" schreibt auf dem Titelbild der Ausgabe 7/2009: "Zur Zeit polarisiert der Kinofilm PLASTIC PLANET in den Kinos. Wir haben einige Expertenstimmen dazu eingeholt."  

Lesen Sie hier: Heinz Schratt, CEO von Plastics Europe, im Interview mit medianet vom 06/10/2009 

"Werner Boote hat mit PLASTIC PLANET einen Film gedreht, der die Mittel dieses Mediums gekonnt einsetzt, um eine Geschichte zu erzählen." - CHEMIEREPORT, 7/2009  

 

 

DIE KUNSTSTOFFINDUSTRIE HEUTE:

Werner Boote fordert die Kunststoffindustrie auf zu verstehen, dass der Film "Plastic Planet" ein Aufklärungsfilm ist und kein Film gegen die Industrie. Die Kunststoffindustrie zeichne sich noch immer durch besondere Trägheit, mangelnde Transparenz und verantwortungslose Profitgier aus.

Während es jedoch vor dem Filmstart von "Plastic Planet" vielerorts noch hieß: "Darf es ein gratis Plastiksackerl sein?", werden heute - vor allem auf Druck zahlreicher bewusster KonsumentInnen - traditionelle Plastiktüten zunehmend aus den Geschäftsregalen verbannt. Einige Länder, Städte und Regionen verabschieden - trotz heftigen Widerstands der Kunststofflobby - Gesetze oder rufen Aktionen ins Leben, ohne Plastik bzw. Plastiktüten auszukommen (zB. Italien, Wieselburg, www.mybagisnotplastic.atÖkoregion Kaindorf). Als Alternative bringt die Firma NaKu biologisch abbaubare sogenannte "Plastic Planet"-Tüten (Vorgänger für die kleinen Bio-Tüten) auf den Markt und Designer Meylenstein und andere entwerfen Stofftüten aufgrund des Films. Mittlerweile findet man biologisch abbaubare Plastiktüten in vielen Supermärkten. 

Aufgrund der Resultate der - durch den Film durchgeführten - wissenschaftlichen Studien werden Plastikprodukte EU-weit aus dem Markt genommen (Babyschnuller, -flaschen 2009/2010).

Die allgemein steigende Aufmerksamkeit auf das "Problem Plastik" stärkt PolitikerInnen bei der Diskussion mit der Kunststofflobby. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden mehrere neue Gesetze auf dem Gebiet der Kunststoffe verabschiedet:

Die Herstellung von Babyflaschen und Kinderspielzeug mit BPA wird in der EU untersagt. Auch die Einfuhr solcher Produkte (EU verbietet BPA in Babyflaschen). BPA darf fortan bei der Herstellung von Babyflaschen und Kinderspielzeug nicht mehr eingesetzt werden. Auch die Einfuhr solcher Produkte ist heute (seit 01. März 2011) gesetzlich verboten. Nach der Präsentation von "Plastic Planet" beim Abu Dhabi Filmfestival kommt es zum Plastiktütenverbot in den Vereinten Arabischen Emiraten. Im Dezember 2015 verabschiedet US-Präsident Barack Obama ein Gesetz, das den kompletten Ausstieg aus Mikroplastik in den USA vorschreibt (Mehr dazu: Was geschieht seit dem Film). Am 01. Juli 2016 tritt in Frankreich das Plastiktütenverbot in Kraft.

  
Betriebe, die Produkte aus biologisch abbaubaren Kunststoffen herstellen, feiern immer mehr (finanzielle) Erfolge. - Aber auch bei biologisch abbaubaren Kunststoffprodukten ist Vorsicht geboten. Es hängt davon ab, ob besorgniserregende Substanzen zum Einsatz kommen. Weiters müssen die Transportwege überdacht werden, damit der Umwelt nicht durch größere Transportwege mehr Schaden zugefügt wird. Viele dieser biologisch abbaubaren Kunststoffe werden aus Mais hergestellt. Dabei drängen sich folgenden Fragen auf: Handelt es sich dabei um nachhaltigen und fairen Anbau? Wird Landraub betrieben (land-grabbing)? Wird dafür genmanipulierter Mais verwendet? Ist die Verwendung von Lebens- bzw. Futtermittel zu rechtfertigen? - Oder sollte man nicht besser für Produkte aus Alternativstoffen wie zum Beispiel Glas, Stein oder Holz wählen!  
 
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Pressekonferenz mit Mag. Ute Zimmermann (NaKu)
 
 
 

In der österreichischen Kunststoff-Zeitschrift (44. Jahrgang 3/2013) schreibt Ing. Leopold Katzmayer, Präsident der VÖK, Vereinigung Österreichischer Kunststoffverarbeiter

"Liebe Kunststoff-Familie,

wie immer zu Jahresbeginn, ehe ich zur Feder greife, überlege ich mir, welche Gedanken einem neuen Jahr voran zu stellen wären. Zweckoptimismus,weil die Konjunktur schwächelt? Dämpfung überbordender Euphorie aufgrund überdurchschnittlicher Zuwachsraten? Hoffnung, eine Krise endgültig überwunden zu haben? ... Der ORF hat seit der großzügigen, sechsstelligen Unterstützung von Werner Boote im Jahre 2005 eine kunststofffeindliche Strategie verfolgt, Mythen nicht entkräftet sondern verbreiten geholfen, keinerlei objektivierenden Bildungsversuch gestartet und damit den Imageverlust noch gefördert. Dies ge- schah, offenbar ohne an die mehr als 26 000 Beschäftigten der Branche zu denken, die mit Kunststoffen ihr tägliches Brot verdienen und mittels verpflichtender Rundfunk-Gebühr dies auch noch mit finanzie- ren durften. Wann endlich wacht denn diese Kunststoff-Familie auf und merkt, dass sie unbeschadet eines insgesamt akzeptablen Geschäftsverlaufes Gefahr läuft, weiter an Ansehen zu verlieren? (Geht das überhaupt noch?) Wird sich unter diesen Vorzeichen der permanent beklagte Nachwuchsmangel überhaupt je beheben lassen? Selbst bei mir stellt sich langsam ein gewisser Motivationsmangel ein auch weiterhin meine private Zeit zu opfern, wenn ich – von Ausnahmen abgesehen – viel zu wenig nennenswerte Unterstützung vorfinde.

Ich rufe daher alle Familienmitglieder auf, Ihren Beitrag zur nachhaltigen Imagepflege der Kunststoffe kritisch zu hinterfragen um eventuell zu erkennen, dass das bisherige Verhalten in keiner Weise zielführend ist und daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen wären. Dazu wünsche ich im Namen der VÖK für das K-Jahr 2013 viel Kraft und alles Gute und hoffe, dass mein atypisches Vorwort wenigsten einige zum Umdenken anregt." (aus Österreichische Kunststoff Zeitschrift 3/2013

 
 
 

WIRTSCHAFTSFAKTOR PLASTIK:

 

Wie viel Plastik jährlich weltweit tatsächlich hergestellt wird, lässt sich nur ungefähr schätzen. Man geht von mehr als 200 Millionen Tonnen und wahrscheinlich sogar bis zu 240 Millionen Tonnen jährlich aus. Ein knappes Viertel des Plastikverbrauchs geht auf das Konto von Europa, wo der jährliche Plastikverbrauch 2008, laut einer Studie von PlasticsEurope, bei 48,5 Millionen Tonnen lag. Gefolgt von Italien und Frankreich ist Deutschland mit einem Bedarf von 11,5 Millionen Tonnen der größte europäische Markt für Kunststoffe. Wenn man alle Arbeitsplätze einrechnet, die unmittelbar und mittelbar von der Kunststoffherstellung abhängig sind, kommt man auf die Summe von deutlich mehr als 2 Millionen Menschen in Europa. Europäische Plastikhersteller und Verwerter erwirtschafteten 2008 einen Gewinn von ca. 13 Milliarden Euro. 

Die Einsatzgebiete der Kunststoffe in Europa verteilen sich dabei zu 28% auf Freizeit und medizinische Zwecke, 6% werden für Elektronik und Elektrik, 7% im Automobilsektor und 21% im Bauwesen verwendet. Den größten Anteil am Kunststoffverbrauch haben Verpackungen mit 38%. Diese für Europa gültigen Zahlen gelten sicherlich auch mit leichten Verschiebungen für den Rest der Welt. 

Quelle: PlasticsEurope MarketResearch Group (PEMRG)

Der Markt für Verpackungsmaterialen ist der entscheidendste für die Kunststoffindustrie, zumal diese Materialien nur einen einmaligen Verwendungszweck haben und es einen laufenden – und offenbar stetig steigenden – Bedarf gibt. 
2007 wurden in Deutschland über 2,6 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen verbraucht und davon 63% der Wiederverwertung zugeführt. Der Rest – immerhin also eine Million Tonnen Kunststoffverpackungen – landete allein in Deutschland dementsprechend im Restmüll. Während die Verwertungsquote von Kunststoffverpackungen Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends deutlich gestiegen ist, hat sich andererseits im gleichen Zeitraum der Anteil von mehrmals verwendbaren Verpackungen (Milch, Joghurt, Mineralwasser) extrem verringert. 

Im Bereich Mineralwasser hat sich der Mehrweganteil (Glas oder Plastikmehrwegflaschen) in den Jahren 1993 bis 2007 von knappen 91% auf knappe 47% verringert. Die Gesamt-Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen ist in der gleichen Zeit von rund 73,55% auf rund 46,86 % gesunken. 

Quelle: Mehrweganteile am Getränkeverbrauch nach Getränkebereichen in den Jahren 1991 bis 2007, sowie Verbrauch von Verpackungen gesamt - Verbrauch, Verwertung, Quoten 1991 bis 2007, Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH (GVM), Mai 2009

 

 

KUNSTSTOFF-LOBBY:

• EUROPA

PlasticsEurope ist einer der führenden europäischen Wirtschaftsverbände. Der Verband unterhält Zentren in Brüssel, Frankfurt, London, Madrid, Mailand und Paris und kooperiert eng mit anderen europäischen und nationalen Kunststoffverbänden. Mehr als 100 Mitgliedsunternehmen produzieren mehr als 90 Prozent der Kunststoffe in den 27 EU-Mitgliedsstaaten und Kroatien, Norwegen, der Schweiz und der Türkei.  

PlasticsEurope vertritt die Auffassung, das die europäische Kunststoff-Industrie einen wesentlichen Beitrag zum Wohlstand in Europa leistet, indem sie Innovationen Realität werden lässt, die Lebensqualität verbessert und Ressourceneffizienz und Klimaschutz ermöglicht. Mehr als 1,6 Millionen Menschen arbeiten in mehr als 50.000 Unternehmen der Kunststoff-Industrie (bei der Verarbeitung meist kleine bis mittelständische Betriebe) und erwirtschaften einen Umsatz von über 300 Milliarden Euro im Jahr.

Im Jahre 2007 beschäftigte alleine der deutsche Chemiekonzern BASF zweihundert Lobbyisten in Brüssel. 

 

• USA

In Amerika gibt es das so genannte American Chemistry Council (ACC) mit Sitz in Washington DC. ACC steht heftig in Kritik, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit der Menschen durchsetzen zu wollen und zwar indem Druck auf Gesetzgeber ausgeübt werden soll und die öffentliche Meinung bewusst in die Irre geleitet wird.   

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