DIRECTOR´S NOTE

 

   Regisseur Werner Boote über den Film THE GREEN LIE - DIE GRÜNE LÜGE

 

„Nach dem düsteren Blick auf die Industrie in Plastic Planet ist es an der Zeit zu zeigen, dass es auch Konzerne gibt, die nachhaltig und fair produzieren.“ – Mit dieser Filmidee trat Produzent Markus Pauser im Herbst 2010 an mich heran und wir hatten beide keine Ahnung, welche riesigen Abgründe sich da für uns auftun würden!

 

Die ersten Recherchen führten uns zu jenen Unternehmen, die in der öffentlichen Meinung ein positives Image hatten. Ich traf mich mit Fairtrade und ähnlichen respektierten Vereinen und Organisationen und erfuhr, dass Produkte keineswegs hundertprozentig nachhaltig sein müssen, nur weil grüne Slogans auf den Verpackungen kleben. Meist bezieht sich die Kennzeichnung nur auf einzelne Bestandteile der Produkte und selbst davon muss oft nur ein geringer Bruchteil tatsächlich nachhaltig sein. – Mit der Zeit fiel mir auf, dass ich keinen Konzern finden konnte, der mich `nachhaltig überzeugte´. Im Gegenteil! – Und wie einfach es ist, sich trotzdem ein grünes Mäntelchen umzuhängen, stellte ich fest, als mir bei einer Veranstaltung in Berlin ein Vertreter eines bekannten deutschen Prüf- und Gütesiegelanbieters vorschlug, gegen Bezahlung von Euro 3.000,- meinen neuen Film mit dem Prädikat `CO2 neutral´ zu zertifizieren. Da war mir klar: Dieser neue Film wird ein wichtiger Film.

 

'Kann man umweltfreundlich leben?´ war die zentrale Frage einer spätabendlichen Ausgabe der legendären Diskussionssendung CLUB 2 im Österreichischen Rundfunk, die anlässlich meines Films Plastic Planet im Oktober 2011 ausgestrahlt wurde. Inmitten von VertreterInnen der Industrie saß mir da auch Kathrin Hartmann gegenüber. Die Münchner Journalistin, Autorin (Ende der Märchenstunde) und Expertin für Greenwashing nahm wortgewandt die hinterlistigen Statements der Geschäftsleute auseinander und legte auf kompetente Weise die Profitinteressen der umweltzerstörerischen Konzerne offen.

Zu diesem Zeitpunkt spielte ich bereits mit dem Gedanken, einmal etwas Neues auszuprobieren und einen Dokumentarfilm mit einer Filmpartnerin zu machen. Denn wir sind es zwar gewohnt, die Gedanken des Dokumentarfilmers durch die „Stimme aus dem Off“ zu erfahren, viel unmittelbarer und reizvoller erschien es mir jedoch, Gedanken live vor der Kamera und inmitten des Geschehens auszudiskutieren. Kathrin Hartmann war einverstanden und so beschlossen wir, die grünen Lügen der Konzerne filmisch darzustellen und gemeinsam aufzudecken.

 

Wir haben viele unterschiedliche Fälle in allen nur erdenklichen Branchen penibel untersucht und dabei zeigte sich, wie umfangreich die Ökolügen der Industrie sind. Die im Film gezeigten Fälle stehen exemplarisch für alle Branchen, denn die Methoden und Vorgehens- weisen der Konzerne sind immer dieselben.

Umso wichtiger wurde es, im Film Verbesserungsvorschläge anzubieten und nach Lösungsansätzen zu suchen. Dass diese jedoch ein generelles Überdenken des derzeitigen Wirtschaftssystems abverlangen, wurde mir erst im Laufe der Arbeit deutlich. 

 

Weltweit gibt es viele Menschen und Organisationen, die im Spannungsfeld mit den Konzernen auf der Seite dieses Films stehen. Wenn immer mehr Menschen die zerstörerischen Mechanismen der Konzerne und des deregulierten Kapitalismus verstehen, wird es uns vielleicht einmal gelingen, ein System zu schaffen, das keine grünen Lügen mehr braucht. Menschen, die im 16. Jahrhundert parlamentarische Demokratie forderten, wurden damals auch als Träumer abgetan. Mittlerweile wird dieses Regierungssystem vielerorts geübt. Heute dürfen, ja müssen wir von einem demokratischen Weltwirtschaftssystem träumen, wenn wir das schützen möchten, was wir am meisten brauchen: das Recht der Menschen und die Rechte der Natur.

 

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