KATHRIN HARTMANN ÜBER DEN FILM

                                                                                       

Wer sich den Spaß erlaubt und bei Google das Wort „nachhaltig“ eingibt, bekommt 16 Millionen Treffer. Das englische Wort „sustainable“ bringt es gar auf 300 Millionen Einträge. Wenn man in den Ergebnissen stöbert, stellt man fest: Alles, was bislang als schädlich und schändlich galt, dient heute der Weltrettung. Thunfischsteaks, dicke Autos, die Formel 1, Aktienfonds, Flugreisen, Palmöl, Gen-Soja, Kohlekraft, Erdöl – all das gibt es in „nachhaltig“, „grün“ oder „verantwortungsvoll“.

Der Ölkonzern Shell wirbt mit Windrädern, der Getränkemulti Coca Cola, der in armen Ländern Brunnen leer pumpt, stilisiert sich zum Schützer des Trinkwassers. Europas größter CO2-Emittent, der Stromriese RWE, versteht seine Kohlemeiler als Artenschutz, weil daran Vögel nisten. Und Unilever-Chef Paul Polman behauptet: „Unilever ist die größte NGO der Welt.“ Dabei verbraucht der Lebensmittelkonzern für Pulverfraß wie Tütensuppen jedes Jahr acht Millionen Tonnen solcher Rohstoffe, die für die Hälfte der globalen Waldzerstörung verantwortlich sind: Rindfleisch, Soja und Palmöl. Jeder, so scheint es, kann bei der Weltrettung mitmachen, wenn er sich für das Produkt einer Firma entscheidet, die eben das im Sinn hat. Und ziehen nicht alle, Verbraucher, Industrie und Politik, „an einem Strang“? Geht es nicht voran?

Aber ja! Sehr schnell sogar. Jenseits der grünen Scheinwelt schreitet die globale Zerstörung fort. Derzeit lebt die Weltbevölkerung so, als hätte sie 1,6 Erden zur Verfügung. Würden alle auf der Welt so konsumieren wie in reichen Ländern wie Deutschland, bräuchte es mehr als drei Erden, um den „Bedarf“ zu decken. Das Global Foodprint Network berechnet jedes Jahr den Earth Overshoot Day. An diesem Erdüberlastungstag sind alle Ressourcen der Welt, die binnen eines Jahres klimaverträglich, ökologisch und sozial gerecht genutzt werden können, aufgebraucht und die Kapazität, Müll und Treibhausgase aufzunehmen, ist erschöpft. Der findet jedes Jahr früher statt: 2015 war er am 13. August, 2016 bereits am 8. und 2017 am 2. August. Im Jahr 2000 war er am 8. Oktober.

Denn zwischen 1980 und 2010 hat sich der jährliche globale Verbrauch pflanzlicher, mineralischer und fossiler Rohstoffe von unter 40 auf 80 Milliarden Tonnen verdoppelt. In dramatischer Geschwindigkeit nimmt deshalb die Artenvielfalt ab, schwinden Wälder, degradieren Böden, vermüllen die Meere, nehmen Emissionen, Sklavenarbeit und Hunger zu.

Doch den Konzernen gelingt es bestens, ihr schmutziges Kerngeschäft unter einem grünen Mäntelchen zu verstecken. Indem sie so tun, als würden sie sich selbst um die Probleme kümmern, die sie verursachen, halten sie sich Gesetze vom Hals, die sie zum ökologisch und sozial gerechten wirtschaften zwingen und ihren Profit schmälern würden. Ihren Kunden verkaufen sie ein gutes Gewissen, damit die sorglos weiter konsumieren.

Greenwashing nennt sich diese Strategie.

Aber obwohl die Unternehmen packungsweise Moral ins Supermarktregal gestellt haben, ist die Welt nicht besser geworden. Im Gegenteil: im April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die von BP beauftragte Ölplattform Deepwater Horizon. Millionen Liter Öl flossen ins Meer. Dabei hatte der Ölkonzern behauptet, verstärkt in Erneuerbare Energien „Beyond Petroleum“ zu investieren. Im April 2013, stürzte das Gebäude Rana Plaza nahe Bangladeschs Hauptstadt Dhaka ein. Auf dem Ground Zero der Textilindustrie wurden 1138 Menschen getötet und mehr als 2500 verletzt. Dabei warben zur gleichen Zeit alle Kleiderfirmen, die dort zu Hungerlöhnen nähen ließen, mit ihren freiwilligen Sozialstandards. Und der Konzern Volkswagen, der bis 2018 „ökonomisch und ökologisch Nummer eins“ sein wollte, steht im Zentrum des größten Abgasskandals der Geschichte. Alles keine tragischen Zufälle, sondern logische Konsequenz des System „billig produzieren/teuer verkaufen“. Deshalb ist seither die Gewinnung von Erdöl noch riskanter geworden, die globale Textilindustrie hat sich nicht gebessert und die Autoindustrie wird weiter dicke Autos verkaufen.

Als Journalistin beschäftige ich mich schon seit vielen Jahren mit Greenwashing. Ich bin überzeugt: wenn wir die Welt wirklich verändern wollen, dann müssen wir aufhören, den Konzernen ihre Grünen Lügen zu glauben. Wir müssen ihre Macht bekämpfen – als Bürger, nicht als Konsumenten. Deswegen bin ich auch so glücklich darüber, dass Werner Boote mich dazu eingeladen hat, bei seinem Film „The Green Lie“ mitzumachen. Denn wir zeigen nicht nur, was sich am anderen Ende der Welt tatsächlich unter dem dicken grünen Deckmantel verbirgt. Sondern auch, wie die Menschen dort Widerstand leisten. Drum macht mir dieser Film Mut und Hoffnung! 

Kathrin Hartmann

 

Mehr darüber im Buch zum Film: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann mit einem Vorwort von Werner Boote

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