FILMINHALT - The Green Lie

  Sie zerstören den Planeten und behaupten das Gegenteil!

  Die Ökolügen der Konzerne, und wie wir uns dagegen wehren können.

 

Umweltschonende Elektroautos, nachhaltig produzierte Lebensmittel, faire Produktion: Hurra! Wenn wir den Konzernen Glauben schenken, können wir mit Kaufentscheidungen die Welt retten! Eine populäre und gefährliche Lüge! Gemeinsam mit der Expertin für Greenwashing, Kathrin Hartmann, zeigt Werner Boote („Plastic Planet“, „Alles unter Kontrolle“) in seinem neuen Dokumentarfilm, wie wir uns dagegen wehren können. Schluss mit den grünen Lügen! 

 

Inhalt:

 
  Im Jahr 2015 brannten große Teile des indonesischen Regenwalds nieder. Es war das schlimmste Umweltdesaster in der Geschichte des Landes. An den direkten Folgen starben bis zu 100.000 Menschen, mehr als 500.000 leiden an Langzeitfolgen. Dass die Brände bewusst gelegt bzw. beschleunigt wurden, ist ein offenes Geheimnis. Ziel war es, massenweise neue Anbauflächen für die Gewinnung von Palmöl zu schaffen. Das billigste und meistverwendete Fett der Welt, zu finden in fast jedem Fertiggericht, in Süßigkeiten und Snacks, und ein enorm profitträchtiger Rohstoff. 
 
  Auf den Spuren dieser unglaublichen, aber wahren Geschichte beginnt der Dokumentarfilmer Werner Boote („Plastic Planet“, „Alles unter Kontrolle“) seine Reise um die Welt, auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem allgegenwärtigen Schlagwort „Nachhaltigkeit“. Die deutsche Journalistin, Autorin („Ende der Märchenstunde“, „Aus kontrolliertem Raubbau“) und Umweltexpertin Kathrin Hartmann ist dabei seine ebenso kompetente wie überzeugende Begleitung. Sie kennt sich aus mit dem so genannten „Greenwashing“: Die Praxis, Produkte mit Hilfe massiver PR als „nachhaltig“, „umweltschonend“ oder „fair“ zu verkaufen, obwohl das in Wahrheit keineswegs so ist. „Es gibt kein nachhaltig oder fair produziertes Palmöl, weil es nur dort wächst, wo vorher Regenwald war“, macht Hartmann deutlich. Doch auch das aufwändigste Greenwashing kommt ungleich billiger als eine Veränderung der Produktionsbedingungen. „Die Industrie nennt uns nicht mehr Bürger, sie nennt uns nur noch Konsumenten. Ich verstehe mich aber nicht als Konsument, ich versteh mich als Mensch, und als Bürger“, so Hartmann.
 
  Vom österreichischen Supermarkt nach Indonesien, in die USA und nach Deutschland reisen Boote und Hartmann, um Orte zu besuchen, die von der schrecklichen Zerstörungsgewalt hinter dem Greenwashing zeugen, um mit Menschen zu sprechen, die sich nicht weiter belügen lassen wollen – und auch mit denen, die nach wie vor behaupten, nie gelogen zu haben. Boote und Hartmann stehen inmitten des brandgerodeten Regenwaldes und erleben die ehemalige grüne Lunge der Welt als apokalyptischen Albtraum. Sie besuchen die indonesische Palmöl-Konferenz IPOC, wo der Innenminister des Landes sich über die Umweltschützer lustig macht. Sie besuchen in Texas den Uni-Professor und Mitbegründer der Antiglobalisierungsbewegung Raj Patel, der sich berechtigterweise darüber empört, dass die Wahl zwischen fair und unfair produziert immer noch auf den Konsumenten abgewälzt wird: „Warum muss ich mich aktiv dafür entscheiden, dass Menschen nicht ausgebeutet werden, und Delfine nicht abgeschlachtet? Warum wird das nicht vom Gesetz vorgegeben, warum ist das eine individuelle Entscheidung?“ 
 
  In Louisiana besichtigen Boote und Hartmann die Nachwirkungen des katastrophalen Blowouts der BP-Ölbohrplattform Deepwater Horizon von 2010 – die versprochenen großflächigen Säuberungsarbeiten sind nie wirklich passiert, die Umweltschäden sind enorm, nach wie vor ist die Küste übersät von hochgiftigen Teerklumpen.  Mit einem schicken „umweltfreundlichen“ Tesla fahren die beiden zum Garzweiler im Rheinland, einem der größten Tagebaue Europas, dem mehrere alte Dörfer und riesige Waldgebiete zum Opfer fielen. Es stehen ein paar Windräder herum, um den Anschein von erneuerbarer Energie zu erzeugen – aber hauptsächlich wird Braunkohle gefördert, aus der Strom, u. a. für den Tesla, gewonnen wird. „Nur weil man keinen Auspuff sieht, heißt das nicht, dass kein Dreck entsteht!“  Feinstaub verseucht hier die ganze Gegend, es häufen sich Atemwegserkrankungen, Fehlgeburten und Krebs. In Brasilien wiederum erzählt Sonia Guajajara, das Oberhaupt der indigenen Bevölkerung, wie ihre Landsleute mit brutaler Gewalt von ihrem ureigenen Grund und Boden vertrieben oder sogar ermordet werden, um Platz für Soja-, Mais-, Zuckerrohrplantagen und Rinderfarmen zu schaffen. Noam Chomsky, Sprachwissenschafter und Intellektueller, erklärt schließlich, warum es unser derzeitiges System höchstselbst ist, das der Idee von der Nachhaltigkeit im Wege steht: „Die Reichsten acht Menschen besitzen so viel wie die halbe restliche Menschheit. Die Macht über alle wichtigen Entscheidungen liegt bei denen, die das Kapital kontrollieren.“
 
  Sind wir alle wirklich Konsum-Superhelden, die es in der Hand haben, die Welt zu retten, wenn wir uns dafür entscheiden, die richtigen Produkte zu kaufen? 

  Wie schon in seinen bisherigen Erfolgsdokus nähert sich Werner Boote der Kernfrage seines neuen Filmes nicht mit analytischer Trockenheit, sondern mit ganz bewusst inszenierter, emotionaler Subjektivität – hier mit der oft kritischen Neugier eines ganz normalen Konsumenten. Kathrin Hartmann führt ihn dabei mit überzeugendem Charme und schier unendlichem Expertenwissen zu den Tricks und Lügen der Industrie. Und man kann sich der Schlüssigkeit der Erkenntnisse, die Boote im Lauf des Films gewinnt, nicht entziehen: Unsere Supermärkte sind voll mit Produkten, die so, wie sie hergestellt werden, gar nicht existieren dürften. Den Preis dafür zahlen wir – auch wenn er nicht auf der Rechnung steht. Und wenn auf einmal sämtliche Konzernbosse den Begriff „Nachhaltigkeit“ in den Mund nehmen, dann wird davon nicht die Umwelt sauber, sondern höchstens das Wort schmutzig. 
 
 
Text: Gini Brenner
 
 
 

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